Thema Haushalt 2026

11.05.2026

Bürgermeister Guido Vierkötter und Kämmerer Johannes Hagen haben den Haushaltsentwurf 2026 in den Rat eingebracht. Die Lage ist ernst. Die Wurzeln dieser Situation reichen weit zurück. Jetzt ist die Zeit zum Handeln.

In der Ratssitzung am 6. Mai 2026 haben Bürgermeister Guido Vierkötter und Gemeindekämmerer Johannes Hagen den Haushaltsentwurf für das Jahr 2026 offiziell in den Gemeinderat eingebracht. Die Zahlen sind klar und sie verlangen Klarheit im Umgang mit ihnen.

Was der Haushalt 2026 zeigt
Der Entwurf sieht Erträge von rund 65 Millionen Euro Aufwendungen von rund 71,4 Millionen Euro gegenüber. Es ergibt sich ein Defizit von rund 6,4 Millionen Euro. Nach Anrechnung eines sogenannten globalen Minderaufwands verbleibt ein ausgewiesener Fehlbedarf von rund 5 Millionen Euro.

Bürgermeister Guido Vierkötter sprach in seiner Eröffnungsrede in aller Deutlichkeit: „Der Haushalt 2026 ist kein einfacher. Er ist ehrlich. Er ist realistisch. Und er stellt uns vor Entscheidungen, die wir gemeinsam tragen müssen."

Kämmerer Johannes Hagen erläuterte die wesentlichen Verschlechterungen gegenüber der Planung des Vorjahres: höhere Sanierungskosten bei Gebäuden und Infrastruktur, eine gestiegene Kreisumlage sowie ein hinter den Erwartungen zurückgebliebener Einkommensteueranteil. Lediglich bei der Gewerbesteuer gab es eine erfreuliche Entwicklung: Erstmals überschritt das Aufkommen die Marke von 10 Millionen Euro.

Bürgermeister Guido Vierkötter machte darüber hinaus auf ein strukturelles Problem aufmerksam, das nicht nur Neunkirchen-Seelscheid betrifft: das sogenannte Konnexitätsprinzip, nach dem derjenige, der kommunale Leistungen bestellt, diese auch bezahlen soll, funktioniere in der Praxis nicht so, wie es sollte. Hier werde die Gemeinde weiter für eine faire Lösung eintreten.

Elf Jahre verpasste Gelegenheiten: Der Sanierungsstau als Erbe
Die angespannte Haushaltslage ist kein Zufall und kein Produkt der letzten Monate. Sie ist das Ergebnis einer langen Phase, in der notwendige Investitionen in Straßen, Gebäude und Infrastruktur systematisch aufgeschoben wurden. Über rund elf Jahre wurden Sanierungsbedarfe erkannt, aber nicht konsequent angegangen. Jede nicht durchgeführte Straßensanierung, jedes nicht erneuerte Dach, jede zurückgestellte technische Anlage hat das Eigenkapital der Gemeinde still und stetig aufgezehrt und den heutigen Investitionsstau verursacht.
Die CDU hat in dieser Zeit in ihrer Oppositionsarbeit immer wieder auf diesen Handlungsbedarf hingewiesen und konsequent für Investitionen und eine verlässliche Finanzplanung gestritten. Dass nun gehandelt werden muss, war absehbar.
Nun zeigt sich das ganze Ausmaß: Große Teile des gemeindlichen Immobilienbestands haben ein Alter erreicht, in dem notwendige Sanierungen nicht länger aufgeschoben werden können. Zwingende rechtliche Vorgaben, etwa beim Brandschutz und Arbeitsschutz, machen viele Maßnahmen unumgänglich.

Unser Bürgermeister brachte es auf den Punkt: „Wer heute nicht in den Erhalt dieser teilweise unsichtbaren Anlagen investiert, zahlt morgen das Doppelte."

Was jetzt investiert wird
Trotz der angespannten Lage investiert die Gemeinde gezielt. Im Entwurf sind Investitionsauszahlungen von insgesamt rund 23,5 Millionen Euro vorgesehen, die zu einem Kreditbedarf von rund 11,5 Millionen Euro führen. Es geht um Investitionen in:
• Sicherheit und Gefahrenabwehr
• Infrastruktur der Schulen
• Infrastruktur der Gemeinde
• Kinder- und Jugend
• Sport- und Freizeit

Hinzu kommen notwendige Investitionen in die Freiwillige Feuerwehr sowie der Breitbandausbau im Rahmen des Graue-Flecken-Programms, bei dem der weitaus größte Teil der Kosten durch Fördermittel gedeckt wird.

Wohnraum und Gewerbe: In die Zukunft investieren
Neben dem Abbau des Sanierungsstaus liegt ein zentraler Schlüssel zur Verbesserung der gemeindlichen Finanzlage, durch die Stärkung der Einnahmenseite, in einer aktiven Entwicklung von Wohnraum und Gewerbeflächen. Mehr Einwohnerinnen und Einwohner bedeuten höhere Einkommensteueranteile, mehr Unternehmen stärken die Gewerbesteuerbasis. Beides entlastet langfristig den Haushalt und schafft Spielraum für Investitionen in Lebensqualität.
Die CDU hat in ihrer Agenda 2030 klar Farbe bekannt: Als einzige Fraktion hat sie konsequent für die Schaffung neuen Wohnraums gestimmt und die Entwicklung neuer Wohngebiete vorangetrieben. Diesen Kurs setzt sie fort. Mit dem Gewerbegebiet Neunkirchen-Süd und weiteren Baugebieten im Gemeindegebiet kommen diese Weichenstellungen nun schrittweise zur Realisierung. Es gilt, diesen Weg konsequent weiterzugehen: Flächen zügig entwickeln, Verwaltungsprozesse beschleunigen und Unternehmen wie Familien die Planungssicherheit geben, die sie brauchen.
Ein wichtiges Instrument ist dabei der sogenannte Bau-Turbo, der neue Möglichkeiten zur Beschleunigung von Wohnbauprojekten eröffnet. Diese Chance wollen WIR für Neunkirchen-Seelscheid nutzen, um schneller bezahlbaren Wohnraum für junge Familien, für alle Generationen und für Menschen zu schaffen, die in unserer Gemeinde leben möchten.

Das Haushaltssicherungskonzept
Angesichts der Zahlen ist ein Haushaltssicherungskonzept (HSK) erforderlich. Verwaltungsvorstand und alle Fachämter haben bereits über 100 Konsolidierungsmaßnahmen erarbeitet. 38 davon mit einem Gesamtvolumen von rund 3,5 Millionen Euro konnten bereits in den Haushaltsentwurf eingearbeitet werden. Weitere Maßnahmen befinden sich in der Prüfung.
Ohne zusätzliche Anpassungen würde die Gemeinde bis 2028 ihr gesamtes Eigenkapital aufbrauchen. Um dies zu verhindern und den Haushaltsausgleich innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Zehnjahresfrist zu erreichen, schlägt die Verwaltung eine schrittweise Anhebung des Hebesatzes der Grundsteuer B um 89 Prozentpunkte pro Jahr bis 2030 sowie um weitere 31 Punkte im Jahr 2031 vor. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus entspricht dies einer jährlichen Mehrbelastung von rund 66 Euro à 89 Prozenpunkte.

Wie geht es weiter?
Der Haushaltsentwurf wurde am 6. Mai 2026 offiziell eingebracht. In den kommenden Wochen wird das vollständige Zahlenwerk mit allen Anlagen den Ratsfraktionen zugänglich gemacht. Die Fraktionen werden dann in ihren jeweiligen Haushaltsklausuren beraten und eigene Positionen erarbeiten. Im September soll der Haushalt dem Rat zur abschließenden Abstimmung vorgelegt werden.

Die Haltung der CDU
Die heutige Haushaltslage ist das Ergebnis von Entscheidungen und „Nicht-Entscheidungen“ vergangener Jahre. Jetzt geht es darum, Verantwortung zu übernehmen, ehrlich mit allen Bürgerinnen und Bürgern zu kommunizieren und mit Weitsicht zu planen. Genau das tun Bürgermeister Guido Vierkötter und Kämmerer Hagen und dafür möchten wir ausdrücklich „Danke!“ sagen. Die Arbeit, die in diesen Haushalt geflossen ist, verdient Respekt.
In den bevorstehenden Beratungen und der Haushaltsklausur wird die CDU-Ratsfraktion sorgfältig prüfen, wo weitere Konsolidierungspotenziale bestehen, welche Maßnahmen richtig priorisiert sind und wo es aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Dabei orientieren WIR uns klar an den Leitlinien unserer Agenda 2030: starke Wirtschaft und solide Finanzen, aktive Ansiedlungspolitik, Wohnraum für alle Generationen, moderne Infrastruktur und eine effiziente, verlässliche Verwaltung.
Denn eines steht außer Frage: Neunkirchen-Seelscheid soll auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig bleiben und eine lebenswerte Gemeinde für alle Generationen sein.